Eigentlich Alpensteinbock, Capra ibex, gehört zur Gattung der Ziegen und ist eine von vielen Unterarten, welche sich oft sehr ähnlich sind. Diese imposante Wildart der Alpen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Anfang des 18. Jahrhunderts, bis auf einen kleinen Restbestand im oberitalienischen Gran-Paradiso-Gebiet, war er so gut wie ausgerottet. Die dortige Population stand unter dem Schutz des damaligen Königs von Italien, Viktor Emanuel III., der jeglichen Export verbot. Daraufhin haben sich 1906 Schweizer Naturfreunde zusammengetan und in einer Nacht und Nebel Aktion einige Tiere gestohlen (gewildert) und in die Schweiz, in den Wildpark St. Peter und Paul bei St. Gallen gebracht. Man begann mit er Nachzucht und konnte 1915 die ersten Steinböcke erfolgreich in der Schweiz wieder ansiedeln. 1924 kamen dann die ersten Tiere nach Österreich, wo sich der Bestand bis heute auf etwa 4500 Tiere vermehrte. Ein großes Handicap für alle Alpensteinböcke stellt die damit verbundene genetische Verarmung dar. Sämtliche Tiere gehen auf eine Restpopulation von nur ca. 100 Tieren zurück.
Bei einer Körperlänge von rund 150cm und einer Schulterhöhen von bis zu 90cm erreichen Weibchen ein Gewicht von ca. 40, Männchen bis zu 100kg. Dazu kommt bei den Böcken das imposante Gehörn mit einer Länge von bis zu einem Meter. Weibchen tragen nur sehr kurze Hörner. Nur die Böcke haben einen Ziegenbart. Die Fellfärbung ist bei den Böcken im Sommer dunkelbraun, bei den Weibchen eher rötlichbraun. Im Winter sind beide Geschlechter eher gräulich gefärbt. Bevorzugter Lebensraum ist die Zone zwischen Wald- und Eisgrenze bis auf ca. 3500m Seehöhe. Im Winter meist auf schneearmen Südlagen. Steinböcke sind wahre Kletterkünstler. Sie besteigen selbst die steilsten Felswände der Alpen und bewegen sich mit sicherem Tritt an steinigen Hängen, auf schmalen Vorsprüngen oder in Felsspalten. Steinböcke haben keine Schweißdrüsen, den Temperaturausgleich können sie daher nur über die Höhenlage, Licht- Schattenplätze oder durch das Ausnützen von Luftströmungen schaffen. Gräser und Kräuter sind die Hauptnahrung aber auch Rinde, Knospen und Blätter werden gefressen. Im Winter werden auch Polsterpflanzen, Flechten und trockenes Gras aus dem Schnee freigescharrt. Steinböcke leben in Herden, die nach Alter und Geschlecht getrennt sind. In der Brunft, also Dezember/Jänner, suchen dominante Böcke die Geißen auf und liefern sich mitunter heftige Kämpfe mit Rivalen. In der Regel kommen nur mindestens acht Jahre alte Exemplare zum Beschlag. Die Böcke verlassen dann erst im Frühling ihre Herden und ca. 5,5 Monate nach der Paarung werden die Kitze gesetzt. Die Jungen können vom ersten Tag an laufen und werden von der Mutter ein Jahr lang gesäugt. Steinböcke können über 20 Jahre alt werden. Natürliche Feinde sind Luchs, Wolf und Bär sowie der Steinadler, wenn es um die Kitze geht. Neuerdings macht den Steinböcken auch der Klimawandel zu schaffen, damit einher gehend auch immer öfter der Befall von Räude Milben. Steinböcke gelten derzeit nicht mehr als bedroht, jedoch ist abzuwarten wie die Tiere mit den bevorstehenden klimatischen Veränderungen zurechtkommen werden.
Der Alpensteinbock, Kletterkünstler der Alpen
